
Auf Wunsch kann nach den Kursen Unterrichtsmaterial erworben werden, das die Anwendung der Methoden in der Unterrichtspraxis erleichtert.Im Modul I haben wir besprochen, mit welchen Methoden wir ein Stück sicher auswendig und im Originaltempo spielen lernen. Im nächsten Schritt widmen wir uns der klanglichen Ausarbeitung seiner Mehrstimmigkeit. Im Zusammen- und Wechselspiel der verschiedenen Stimmen liegt unerschöpfliches Gestaltungspotential. Wir können die Klavierliteratur hinsichtlich ihrer Mehrstimmigkeit am ehesten mit Orchesterliteratur vergleichen. Aus einem Orchesterklang hören wir mühelos verschiedene Instrumente heraus. Die unterschiedlichen Klangfarben beispielsweise von Klarinetten und Violinen, oder gar von Fagotten und Celli machen es uns einfach, die verschiedenen Instrumentengruppen im Gesamtklang wahrzunehmen.
Am Klavier allerdings ist es weniger einfach, die verschiedenen Stimmen voneinander zu trennen und als eigenständige Linien hörbar zu machen. Allzu leicht vermischen sie sich zu einem konturfreien Klangbrei. Erst durch dynamisch klar voneinander abgegrenzte Stimmen erzielen wir einen durchsichtigen, geschliffenen Klang.
Im Kurs „Balancieren“ lernen wir, wie wir zu so einem kontrastreichen und transparenten Klangbild gelangen.
Visualisierung von Stimmen im Klangraum
Die Notenschrift vermittelt uns die Tonhöhe und die Tondauer einzelner Noten, nicht aber deren dynamische Intensität. Durch die Technik der Visualisierung können wir die Dynamik der verschiedenen Linien ganz einfach sichtbar machen. Wir stellen uns einen Klangraum vor, in dem verschiedene Stimmen angeordnet sind, leisere Stimmen weiter hinten, lautere Stimmen weiter vorne.
Die Visualisierung führt uns zu einer plastischeren Klangvorstellung und dient uns als Grundlage für die folgenden Übemethoden.
Dramaturgisches Konzept
Natürlich sind die verschiedenen Stimmen in einem Klavierstück nicht zu jeder Zeit gleich bedeutend. Wir haben uns also zu überlegen, wann welche Stimme wie gewichtig ist. Und noch mehr: in welcher Weise die Stimmen miteinander interagieren. Wie Protagonisten eines Theaterstückes können sie sich ergänzen, unterstützen, unterbrechen, sich bestätigen, aufeinander eingehen, usw. Im Kurs erproben wir eine Reihe praktischer Methoden, mit deren Hilfe wir bei unseren Schülern ein Verständnis für jene rhethorischen Modelle wecken und sie zu beredterem, lebendigeren Spiel anleiten.
Die Entwicklung eines dramaturgischen Konzepts, eines „Drehbuches“, das die verschiedenen Stimmen hierarchisiert und in Beziehung zueinander setzt ist die Voraussetzung, um zum nächsten Schritt, der Umsetzung am Instrument voranzuschreiten.
Zusammenklangsmethode
Wir haben nun eine präzise Vorstellung davon, wie wir die verschiedenen Stimmen im Klangraum anordnen wollen. Mit Hilfe der „Zusammenklangsmethode“ setzen wir das Klangbild in drei Arbeitsstufen am Instrument um. Durch Üben mit dieser Methode erlangen wir die Fertigkeit, verschiedene Stimmen in einem Stück beliebig hervorheben zu können.
Im Kurs entwickeln wir nicht nur eigene dramaturgische Konzepte, sondern lassen uns von meisterhaften Interpretationen inspirieren. Wir folgen dem gelernten Vorgehen und beschreiben die Klangbilder, so wie wir es im Kurs gelernt haben. Das Entscheidende und Spannende aber ist, die Klangbilder mit Hilfe der gelernten Methoden und Techniken am Klavier nachzuzeichnen.
Wie bei allen Kursen der Lernstrategie steht die praktische Anwendung der Kursinhalte im Mittelpunkt. Wir lernen, kontrastreiche und ausdrucksstarke Klangbilder zu zeichnen. Durch die vorgestellten Techniken verfeinern wir unsere musikalische Wahrnehmung. Die Methoden werden so einfach und übersichtlich dargestellt, dass sie Fortgeschrittene wie Anfänger leicht anwenden können.