
Nicht erst seit dem legendären Ausspruch von Glenn Gould, man spiele das Klavier „nicht mit den Fingern, sondern mit dem Kopf“, ist das Thema „Mentales Üben“ in der instrumentalen Ausbildung präsent. Der Begriff „Mentales Training“ stammt aus dem Hochleistungssport und zeigt, dass es sich um etwas handelt, das gelernt, entwickelt und „trainiert“ werden kann. Doch was heißt dies konkret? Wie und wann können wir das „Mentale Training“ in unserem eigenen Üben anwenden?
Im Modul „Mentales Üben“ lernen wir Techniken kennen, die sich positiv auf unser ganzes Musizieren auswirken. Der Kern des Mentalen Übens liegt in einem „Sich-bewusst-machen“, was wir empfinden und wie wir gestalten.
Die Techniken und Methoden fassen wir in drei Bereiche zusammen.
1. Assoziation
Das vielleicht Wichtigste an Musik, das uns eigentlich Bewegende liegt hinter dem kunstvoll zusammengesetzten Wechselspiel verschiedener Stimmen, hinter dem „lauter und leiser“, dem „schneller und langsamer“. Es ist, was wir zwar nicht benennen, wohl aber beschreiben können. Durch Techniken wie das „Textieren“, das „Adjektivieren“ und das „Gestikulieren“ nähern wir uns der musikalischen Bedeutung. Entscheidend ist, dass wir durch diese Techniken zu einem tieferen Empfinden, einem umfassenderen Erleben von Musik gelangen.
2. Klangbild
Im Kurs lernen wir Methoden kennen, die uns bei der Entwicklung einer Klangvorstellung helfen. Jene geschieht rein mental und wird durch instrumentales Üben verändert und befruchtet. Je konkreter und detaillierter unsere Klangvorstellung ist, desto zielgerichteter und damit effizienter können wir üben. So wird das imaginäre Klangbild zur Vorlage für unser Üben am Klavier.
3. Spieltechnik
Im Konzert oder Vorspiel wollen wir uns ganz dem musikalischen Ausdruck widmen. Unsere Spieltechnik soll dem nicht im Wege stehen, sondern uns ein frei fließendes Musizieren ermöglichen.
Um der Gefahr zu entgehen, durch störende Gedanken aus dem Konzept gebracht zu werden, klären wir durch „Mentales Üben“ alle nur erdenklichen spieltechnischen Fragen und spielen die Bewegungschoreographien immer wieder vor unserem geistigen Auge ab.
Im Modul „Mentales Training“ besprechen wir zu den genannten drei Bereichen eine Reihe von Methoden und Techniken, die einfach zu lernen und anzuwenden sind. Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichen wir das methodische Vorgehen in der eigenen Übe- und Unterrichtspraxis.
Unser Spiel wird sicherer, wir haben weniger Lampenfieber und fühlen uns beim Konzert eins mit der Musik. Wir gewinnen an Vertrauen in unsere Fähigkeiten und werden selbstbewusster.
Die Methoden können wir auch als Anleitung zur Kreativität und als Quelle der Motivation betrachten, denn durch die im Kurs „Mentales Üben“ vorgestellten Techniken wird die Beziehung zwischen uns und dem Werk immer persönlicher und das Klavierspiel damit immer mehr zum Ausdruck unserer selbst.