Seminar / Workshop

Unterrichtsmodelle

Aufbauseminar II

 

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Ein bekannter Klavierpädagoge erwähnte in seinem Unterricht einmal, er überlege sich hauptsächlich, was er NICHT zum Schüler sage. Das mag auf den ersten Blick verwundern, da wir uns als Klavierpädagogen doch für gewöhnlich eher mit der Frage befassen, WAS wir WIE vermitteln. Wenn es sich bei einem Klavierpädagogen auch um einen hervorragenden Künstler handelt, der sein eigenes künstlerisches Tun reflektiert, der bewusst und detailliert geplant gestaltet, dann wird es diesem Pädagogen vermutlich nicht schwer fallen, einem Schüler Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Anregungen zu einem Stück mitzugeben. Anregungen, die künstlerisch inspirieren sollen, sind das Eine. Doch auch im Hinblick auf Aspekte wie Perfektion, Qualität und Ausdifferenzierung gibt es selbst bei Schülern, die auf hohem Niveau spielen, eine schier unerschöpfliche Zahl verbesserungswürdiger Aspekte anzuführen. In der Fülle an Möglichkeiten liegt eine Gefahr. Denn wer als Pädagoge hier nicht aufpasst, keinen Sinn für die Aufnahmefähigkeit des Schülers besitzt, wer kein Maß hält, der kann einen Schüler mit einer Flut von Details leicht überfordern und in ihm im schlimmsten Fall das Gefühl auslösen, sich künstlerisch eingeengt zu fühlen. Solch ein Unterricht kann demotivieren und bewirkt genau das Gegenteil von Inspiration. Umgekehrt kann ein Unterricht, der sich auf wenige, entscheidende Punkte beschränkt, für den Schüler eine ungeheure Motivation darstellen, insbesondere wenn er weiß, wie er bis zum nächsten Unterricht an diesen Punkten zu arbeiten hat. Nach einer umfassenden Bestandsaufnahme durch die Lernstandsanalysen stehen wir als Pädagogen also vor der spannenden Herausforderung, aus der Vielzahl möglicher Ansatzpunkte genau jene herauszugreifen, die uns im Moment als die Wichtigsten erscheinen. Die Qualität der Auswahl ist entscheidend für eine gute Unterrichtskonzeption. Nach der Analyse des Lernstands, der Hierarchisierung und Auswahl von Ansatzpunkten, gehen wir im letzten Schritt der Frage nach, wie wir die einzelnen Punkte im Unterricht behandeln können, welche Lehrverfahren wir verwenden, in welcher Weise wir den Schüler einbinden, wie wir einen nachhaltigen Lerneffekt erzielen. Im Rahmen des Seminars werden wir eine Reihe von Videos ansehen, auf denen Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichem Leistungs- und Lernstand zu sehen sind. Aufgrund dieser Videobeiträge erstellen wir Listen mit möglichen Unterrichtspunkten, diskutieren darüber, welche Punkte am Wichtigsten sind und gehen der Frage nach, wie sich auf dieser Grundlage nun Unterrichtsmodelle entwickeln lassen, welche Lehrverfahren geeignet scheinen. Unterrichtsmodelle sind trotz der im Seminar vermittelten systematischen Herangehensweise stark von der Persönlichkeit des Lehrers, seinen Vorstellungen und seiner eigenen musikalischen Sozialisierung geprägt. Und auch der jeweilige Kontext, in dem Unterrichtsmodelle Anwendung finden, ist mit zu berücksichtigen, denn wir werden mit einem Schüler, den wir über lange Zeit hinweg aufbauen, mit dem wir eine vertraute Kommunikationsebene entwickelt haben, anders arbeiten als mit einem Schüler, dem wir im Rahmen eines Meisterkurses nur einen einzigen Unterricht erteilen. Unterschiedliche Kontexte bedeuten unterschiedliche Unterrichtsmodelle: in einem Meisterkurs unterrichten wir anders als in einem langfristig angelegten Unterrichtsverhältnis. Ebenso unterrichten wir im Rahmen einer Bewerbung wieder anders. Kurz: die unterschiedlichen Schülerpersönlichkeiten, die verschiedenen Unterrichtswerke, die vielfältigen Lehrverfahren und die unterschiedlichen Lehrkontexte machen das Unterrichten überaus spannend. Das Unterrichten von Kunst ist selbst eine Kunst, in der wir Pädagogen Tag für Tag eingeladen sind, uns weiter zu vervollkommnen. Das Seminar soll hierzu inspirieren.