Modul I - Dekodieren

Einführungsseminar

Wer kennt nicht das beglückende Gefühl, wenn im Konzert alles „fließt“, wir uns im „Flow“ ganz der Musik hingeben können und alles wie von selbst zu gehen scheint. Um einen Zustand solch versunkenen Musizierens erleben zu können, sollte uns das auswendige Spiel eines Notentextes keine Probleme bereiten. Die Anspannung vor einem Konzert darf nicht in Panik während des Konzerts münden.
Einen Notentext nachhaltig zu lernen ist leichter gesagt als getan. Von den spieltechnischen Herausforderungen einmal abgesehen, benötigen wir eine solide Lerntechnik, mit deren Hilfe wir uns das komplexe Notenbild zu eigen machen können. Den Weg zu einem souveränen Beherrschen des Notentextes können wir in drei Etappen beschreiben:

1. Den Text verstehen
2. Den Text memorieren
3. Den Text absichern

Jede Etappe meistern wir mit gezielt dafür entwickelten Methoden. Darum geht es im Modul „Dekodieren“.

Textverständnis. Es geht hier weniger darum der musikalischen Bedeutung nachzuspüren, sondern vielmehr zu verstehen, wie ein Notentext aufgebaut ist – und das so gut, als ob wir ihn selbst geschrieben hätten. Beispiele aus verschiedenen Stilepochen und mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad werden uns dazu inspirieren, die vorgestellten Techniken auch in unserem eigenen Üben und Unterrichten auszuprobieren.

Textkenntnis. Wie können wir einen Notentext sicher memorieren? Der Schlüssel liegt in der Methode „Dekodieren“. Sie umfasst vier leicht zu lernende Schritte (Definieren – Analysieren – Rekonstruieren – Stabilisieren). Kleine so dekodierte Teile / Abschnitte verschmelzen zu immer größeren Einheiten, bis das Stück schließlich zu einem Ganzen zusammengewachsen ist. Die konsequente Aktivierung verschiedener Lernkanäle führt zu der besonders hohen Effektivität der Methode.

Textsicherheit. Wenn wir einen Notentext verstehen und ihn sogar auswendig können, dann bedeutet dies noch nicht, dass wir ihn auch sicher und fließend im Zusammenhang spielen können. Im Kurs lernen wir Methoden kennen, die uns ein zuverlässiges Abrufen von Texten ermöglichen. Die Methoden zur Steigerung der Textsicherheit können wir überdies auch gut zur Auffrischung älterer Werke einsetzen.

Alle Methoden werden in ihren Anwendungsparametern klar skizziert und didaktisch aufbereitet vermittelt. Sie werden zu wichtigen Werkzeugen in unserem eigenen Üben und dem Üben unserer Schüler. Mit ihrer Hilfe gelingt es selbst wenig erfahrenen Kindern, kleine Stücke in wenigen Tagen zu memorieren. Der Anspruch der Methoden steigt mit der Schwierigkeit der Stücke, die mit ihnen erarbeitet werden („Skalierbarkeit“).

Im Zentrum des Lerngebiets Dekodieren steht die "Dekodier-Methode". Sie ist ein mächtiges Werkzeug, wenn es darum geht, von Anfang an ein stabiles Fundament zu bauen.

Anschlag und Artikulation. Weitere Inhalte des Moduls „Dekodieren“ sind didaktische und methodische Ansätze zu den Themen „Anschlag“ und „Artikulation“. Fern einer pianistischen Dogmatik definieren wir Anschlagsparameter, mit deren Hilfe wir der musikalischen Aufgabe entsprechend eindrucksvolle Klangeffekte erzielen können. Auch hier stehen Praxistauglichkeit und Vermittelbarkeit an erster Stelle. Eine facettenreiche Artikulation ist das Rückgrat ausdrucksvollen Klavierspiels. Im Kurs geht es weniger um die Frage, wie Stücke verschiedener Stilrichtungen hinsichtlich ihrer Artikulation interpretiert werden sollten. Vielmehr beleuchten wir Artikulationsformen im Hinblick auf ihren klanglichen Effekt und ihre spieltechnische Umsetzung.

Mit Hilfe der im Modul „Dekodieren“ gelernten Methoden schaffen wir ein solides und tragfähiges Fundament, auf dem wir unser weiteres Üben aufbauen können.