Modul II - Automatisieren

Einführungsseminar

Mühelos virtuose Passagen spielen zu können und das Klavier selbst in Konzertsituationen spielerisch, frei und bequem zu beherrschen – wer träumt nicht davon und wer bewundert nicht die Pianisten, die dazu in der Lage sind.
Zur Meisterschaft ist es natürlich ein langer Weg und viele denken, wer nur genug übt, der erreicht dieses Ziel auch. Leider ist dem nicht immer so, denn Viele üben motiviert und mit großem Fleiß, aber kommen doch nur zermürbend langsam voran. Sie beginnen an sich zu zweifeln und halten andere, deren Üben erfolgreicher verläuft, für begabter. Oft ist es aber keine Frage der Begabung, sondern vielmehr der Übetechnik. Manch einer übt entweder mit ungeeigneten Methoden oder aber wendet die Methoden nicht richtig an.
Im Kurs „Automatisieren“ lernen wir eine Reihe von Methoden zur Reflexbildung kennen und begreifen, wann wir sie in welcher Intensität anwenden können und wo ihre Grenzen liegen. Wir erzielen mit den Methoden jene oben genannte Leichtigkeit und Mühelosigkeit des Spielens, die es uns gestatten, uns ganz dem musikalischen Ausdruck zu widmen. Wir lernen uns immer besser einzuschätzen und gewinnen Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

Das Besondere an den vorgestellten Methoden liegt in der Beschreibung von Anwendungsaspekten, d.h. worauf es beim Üben ankommt. Denn dies ist für den Lernerfolg entscheidend. Bei der Lösung spieltechnischer Aufgaben lernen wir drei Phasen kennen:
Eine Stelle ...
1. überhaupt erst einmal im Tempo spielen,
2. zudem sicher und bequem beherrschen und
3. hinsichtlich ihrer Klangqualität verbessern können.

Für jede Phase stehen uns mehrere Kombinationen von Methoden zur Verfügung. Den Kern des Automatisierens bilden die Metronomaufbau-Methode, die Horizontale Additions- und die Stabilisierungs-Methode.

Positionstechnik
Damit unser Üben mit den hier vorgestellten Methoden auch wirklich fruchtet, brauchen wir einen intakten Spielapparat. Handhaltung und (Ent-)Spannung sind in diesem Zusammenhang Schlüsselbegriffe. Sie bedingen einander und sind für erfüllendes Musizieren, bei dem sich Musik und Spielapparat zu einem untrennbaren Ganzen verbinden, unerlässlich.
Basierend auf den Ideen Alfred Cortots und Anna Hirzel-Langenhans wurde die „Positionstechnik“ entwickelt. Sie umfasst eine Reihe von Übungsschritten, durch die unsere Finger lernen, sich innerhalb von Positionen (d.h. Griffen) zu bewegen. Das Klavierspiel wird damit immer bequemer und unsere Hand entwickelt eine pianistisch günstige Form. In jedem Klavierstück können wir unzählige Positionen finden und üben. Der „Positionstechnik“ kommt dadurch eine grundlegende Bedeutung in der spieltechnischen Ausbildung zu.

Völlige Entspannung ist in physiologischer Hinsicht beim Klavierspiel natürlich nicht möglich, denn wenn wir wirklich locker ließen, hingen unsere Hände lose herunter. Es geht vielmehr darum, Spannung und Entspannung, Fixierung und Lösung, Starrheit und Geschmeidigkeit kontrolliert und im Dienst des musikalischen Ausdrucks in eine Gesamtchoreografie einzubinden.
Besonders schwierig wird dies, wenn Spannung und Elastizität gleichzeitig gefordert sind, das Handgelenk bei einem aufgespannten Griff beispielsweise immer noch geschmeidig bleiben soll.

Auch die in diesem Modul vorgestellten Methoden eignen sich für jedes Alter und Niveau. Mit ihrer Hilfe erkennen und überwinden wir spieltechnische Grenzen, wir lernen unseren Fähigkeiten zu vertrauen und gewinnen an Spiellust und Musizierfreude.