Modul IV - Kolorieren

Einführungsseminar

Bei guten Pianisten können wir gar nicht anders, als ihrem Spiel gespannt zuzuhören. Es klingt so farbig, so singend und erzählend, dass sich uns das von ihnen gespielte Stück ganz selbstverständlich erschließt. Das stete Wechselspiel von Spannung und Entspannung, von Auf und Ab, von Vor und Zurück beherrschen sie in Vollendung. Durch CD-Aufnahmen sind wir heutzutage in der Lage, das eindrucksvolle Spiel dieser Pianisten beliebig oft anhören und von ihnen lernen zu können.
Spannende Interpretationsanalysen lassen uns Phrasierungsprinzipien entdecken, die unser Gestaltungsrepertoire bereichern. Unser Üben ist besonders effizient, wenn wir uns bewusst sind, was wir wie musikalisch ausdrücken möchten.
Im Modul „Kolorieren“ lernen wir Methoden kennen, mit deren Hilfe wir zu einer plastischen und farbenreichen Phrasierung gelangen.

Phrasierung visualisieren
Wie auch im Modul „Balancieren“ machen wir sichtbar, was wir hören. Durch die bildhafte Darstellung des Spiels von Meisterpianisten entwickeln wir ein Verständnis dafür, wie sie dynamisch und agogisch gestalten. Wir nehmen uns ihr Spiel zum Vorbild und versuchen am Instrument, ihre Phrasierung zu imitieren. Durch die Imitation als modellhaftem Prozess leben wir uns in ihre Gestaltungswelt ein, wir schulen unser Gehör, verbessern unsere musikalische Wahrnehmungsfähigkeit und erweitern auch hier unser Gestaltungsrepertoire.

Klangvorstellung präzisieren
Um es nicht bei einer bloßen Imitation zu belassen und um die Eigenständigkeit im Spiel beizubehalten lösen wir aus den unterschiedlichen Beispielen ein Repertoire grundlegender Gestaltungsoptionen heraus, z.B. Wege, Höhepunkte zu modellieren, Crescendi zu konstruieren, Fluss zu erzeugen usw.. Diese Gestaltungsoptionen, die weit über die im Notentext stehenden Anweisungen hinausgehen, dienen uns als Leitfäden bei der Entwicklung einer Interpretation. So einfach die Gestaltungsoptionen auf den ersten Blick auch scheinen mögen, durch sie öffnet sich ein schier unendlicher Raum für kreatives Üben. Unsere Klangvorstellung wird feiner und unser Spiel interessanter, ausdrucksreicher und dem Werk gerechter.

Interpretationsidee realisieren
Anhand zahlreicher Werke unterschiedlicher Stilepochen erproben wir die verschiedenen Gestaltungsoptionen am Instrument. Wir lernen Methoden kennen, mit deren Hilfe wir unsere Interpretationsideen am Klavier umsetzen können, z.B. mit der Methode „Mikrodynamik“ oder auch mit der „Reduktionsmethode“.

Die im Kurs vorgestellten Techniken sind mächtige Gestaltungswerkzeuge, mit Hilfe derer wir lernen, bewusster zu gestalten. Sie bilden einen wichtigen Baustein zu einer fundierten und umfassenden Klaviertechnik.
Besonderes Augenmerk legen wir auch in diesem Modul auf didaktische Hinweise, sodass die Techniken erfolgreich im eigenen Unterricht eingesetzt werden können.